Feierliche Eröffnung
22.05.11 Taucha hat wieder ein Museum - das
Rittergutsmuseum

Etwas
versteckt und auf den ersten Blick nicht sofort zu finden,
befindet sich im Neuen Herrenhaus am Rittergutsschloss ein
Museum. Damit hat Taucha nach der Schließung des
Heimatmuseums endlich wieder ein Museum, wie
Schlossvereinsvorsitzender und Stadtrat Jürgen Ullrich
eingangs der feierlichen Eröffnung des Museums am
vergangenem Sonntag feststellte. Da auf über 20 Schautafeln
die über 1000-jährige Geschichte auf dem Schlossberg und
über 790 Jahre Schloss- und Gutsgeschichte im engeren Sinne
dargestellt wird, trägt es folgerichtig die Bezeichnung
Rittergutsmuseum. Die Thementafeln reichen von der
Geschichte Tauchas und seinem Schloss im 30-jährigen Krieg,
von der Völkerschlacht in Leipzig mit Taucha als
Nebenschauplatz und vom Weinanbau auf dem Schlossberg. Da
darf auch die Sage von der Glockentiefe, von der
verschwundenen Glocke einer Kapelle, die im Mittelalter in
der Mitte des Schlosses gestanden hat, nicht fehlen. Im
Museum wird die Sage auf einer Schautafel von Heimatforscher
Detlef Porzig neu erzählt.
Nach 1 Jahr intensiver Vorbereitung entstand in über 1000
freiwillig geleisteten Stunden die neue Dauerausstellung.
Ausdrücklich dankte Ullrich in diesem Zusammenhang in seinen
kurzen Eröffnungsworten, den vielen freiwillig und
überwiegend kostenlos arbeitenden Helfern und Firmen, wie
u.a. der Malerfirma Gerhard Hoffmann, Sohn Jan Ullrich für
die Elektroarbeiten, Detlef Porzig der für den Inhalt
verantwortlich zeichnet, sowie Harry Hoffmann, der die
Geschichte des Weinbaus recherchierte. Der Dank geht aber
auch an die Stadtverwaltung und der Naturschutzstation
Plaußig, die einige Leih- und Dauerleihgaben zur Verfügung
stellte. Aber auch einige Sammler haben aus ihrer
Privatsammlung interessante Stücke zur Verfügung gestellt.
Tauchas Verleger und früherer Schlossvereinsvorsitzender
Prof. Dieter Nadolski schenkte dem Verein noch ein weiteres
interessantes Stück: ein Lohnbuch aus einem anhaltnischen
Rittergut, wo von 1794 bis 1844 die gezahlten Löhne
verzeichnet sind. Jürgen Ullrich bedankte sich im Namen des
Schlossvereins ganz herzlich bei Prof. Nadolski und schätzte
das Buch "als sehr wertvolles Dokument" ein. Prof. Nadolski
hatte noch ein weiteres wichtiges Detail recherchiert. Nach
seinen Worten existiert in der gesamten Bundesrepublik
Deutschland kein weiteres Rittergutsmuseum. Damit würde
Taucha ein Alleinstellungsmerkmal besitzen und ausdrücklich
empfahl er dem Schlossverein sich den Namen "Deutsches
Rittergutmuseum" schützen zu lassen.
Die zahlreichen Besucher der Eröffnungsfeier lobten das
Engagement des Schlossvereins, welcher mit der
Dauerausstellung die historische Entwicklung des Rittergutes
eingebettet in die bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse
dokumentieren will. Der Tauchaer Chemiker Prof. Dieter
Engewald gab dem Schlossverein noch die Empfehlung mit auf
dem Weg, sich auch der Geschichte des Schapsbrennens
anzunehmen, denn in jedem Rittergut wurde nach seinen Worten
Schnaps gebrannt.
Das Rittergutsmuseum hat zukünftig jeden 4. Sonntag von 14 -
16 Uhr geöffnet. Weitere Öffnungszeiten sowie fachkundige
Führungen von Gruppen oder Schulklassen sind nach Anmeldung
jederzeit möglich. Tel.: 034298 68556
Bericht
IVT. Text: Matthias Kudra
Foto: Hans-Jörg Moldenhauer |